Winzer

Veltlinertag im MQ 2012

Veltinertag im Museumsquartier 2012Da uns schon letztes Jahr die Veltliner-Veranstaltung von Wolfgang Obermaier sehr gefesselt hat, wollten wir heuer keineswegs daran vobeigehen und sind schon um 15:00 mit dem Kostglas in der Hand vor dem ersten Verkostungstisch gestanden.

Auffallend war die große Anzahl an wirklich fachkundigen und hochinteressierten Verkostern, die bereits bei den Tischen diskutierend standen und ihre Notitzen verglichen. Das Kosten – Nutzenverhältis und die Eigenheiten dieses Jahrganges waren die Hauptthemen in unseren lauschenden Ohren. Nicht nur Gastronomieprofis nutzten die Chance sich der Rebsorte bewusst zu nähern, auch viele private Kenner nahmen diese Gelegenheit war.

Der Winzer Anton Wöber aus ZiersdorfZiersdorf und Großkruth Seite an Seite, der erste Verkostungstisch natürlich auch umringt von interessierten Kostern, das Weingut Wöber und Späth, Seite an Seite. Wir kommen mit Herrn Anton Wöber aus Ziersdorf ins Gespräch und  treffen dort auf Mag. Thomas Burg dem Betreiber der „Faktorei für Grünen Veltliner“ hier in Wien.

Veltliner SUR LIE ist hier Thema großartig der Duft und die Fruchtigkeit, Anton Wöber weist uns darauf hin, dieser wunderbare Effekt ist besonders im ersten Halbjahr präsent und verflacht dann etwas. Erreicht wird dieser Geschmackston und die Fruchtigkeit durch das Liegen auf der Hefe, wird uns von Anton Wöber erklärt. Zu trinken bekommen Sie Weine vom Weingut Wöber hier in Wien im Kult-Beisl  „Stomach“ in der Seegasse im 9ten. Faktorei für grünen VeltlinerWir verkosten hier auch den Roten Veltliner der sich im Gegensatz zum grünen Veltliner wohl erst nach einem Jahr zu öffnen beginnt und für den durchaus 5-6 Jahre Lagerung vom Winzer empfohlen werden. Mag.Thomas Burg, Kenner und Veltliner- Exporteur und Botschafter, besonders in Deutschland und Holland empfiehlt den Grünen Veltlinder End des Berges lobt Extrakt und Körper und die in diesem Jahr so rare Säure.

 

Schon wenige Meter weiter stehen wir sozusagen in Poysdorf und dürfen mit dem dortigen Winzer  Rainer Schuckert plaudern und kosten uns duch sein Angebot uns gefällt der Grüne Veltliner DAC Selektion den sie im Weingut Schuckert-Onlineshop um € 8,50 ordern können.Grüner Veltliner Sehr gut gefällt uns auch der Grüne Veltliner leicht & fruchtig, möglicherweise einer unserer nächsten Sommerweine, erhältlich um € 4,50 ab Hof. Rainer Schuckert erzählt von den Lagen „Alten Geringen“ und „Neuen Geringen“ und erklärt uns den Ursprung dieser Lagenbezeichnungen. Dem Land etwas abzuringen ist wohl damit gemeint und beleuchtet die Hintergründe des Weinbaus in Poysdorf und die harte Arbeit bis zum Erfolg. Auf seinen 20 ha wachsen über 50% Grüner Veltliner. Der Verkoster und Weinprofi Kurt Müllechner, bei dieser Veranstaltung auf der Suche nach einer sehr guten Veltliner Reserve unter € 12,00 wird hier nicht fündig obwohl er den Wein geschmacklich doch sehr hoch bewertet. Rainer Schuckert hält es für nicht sehr wahrscheinlich, daß man einen DAC Reserve unter diesem Flaschenpreis bekommen kann. Der Preis scheint  für die hier verkostenden Besucher zwar auch ein Thema zu sein, vordergründig geht es hier aber doch um den Gaumen und die Lust auf eine eigenständige und persönliche Entdeckung.

Mag. Thomas Burg hat uns geraten eine Besuch beim Tisch vom Weinhof Pollak nicht zu vergessen. Seine Entdeckung dort, die vom Winemaker René Pollak gestalteten Grünen Veltliner Primus und Secundus  des Weingutes Valerie Studt-Stolberg die als Ur-Urenkelin von Kaiser Franz Josef I die mit Pollaks  Unterstützung an die Traditionen der ehemals Kaiserlichen Weingüter anknüpt. René Pollak ausgebildet in der Kremser Schule, hat zusätzlich mit einer Ausbildung als Optiker eine seltene Kombination und eine interessante Kompetenz. Die hefetrüben Fassproben lassen sehr Gutes erahnen. Da fällt mit ein und wenn ich mich recht erinnere hat, einige Sommer zurück, mir eine Grüner Veltliner vom Weingut Pollak sehr große Freude zu einer Forelle im Restaurant „zum Blumentritt“ in St.Ägyd gemacht. Wir haben auch den 2011 Weinviertel DAC Stoanan vom Gut Pollak, der um € 6,40 ab Hof angeboten wird verkostet und sehr genossen. Wir danken Thomas Burg für die Empfehlung und geben sie hier weiter!

Jetzt bremst uns das Weingut Johann Topf aus dem schönen Strassertal und wir plaudern dort mit der Familie Matlschweiger aus Wels, die diese Veranstaltung zur Wissenserweiterung zu Gunsten ihres Cateringunternehmens bereist haben. Christoph Matlschweiger ist hier auf der Suche nach einer Steigerung zu seinem Lieblingsveltliner des Weingutes Sax aus Langenlois und hat sich zum Zeitpunkt des Interviews noch nicht auf einen bestimmten Winzer festlegen wollen. Gegenkosten kann er die Weine nicht, das Gut Sax ist hier nicht vertreten. Insgesamt macht die ganze Familie eine sehr zufriedenen Eindruck, auch für die Mutter Monika Matlschweiger hat sich die Reise gelohnt.

Hans Peter Topf macht uns mit dem Grünen Veltliner DAC  Wechselberg Lösslage, bekannt und erzählt von seinen Neuseeland Erfahrungen. Wir kosten auch die Reserve Erste Lage DAC Grüner Veltliner Ofenberg vom Urgesteinsboden erhältlich ab Hof um € 22,90. Uns haben die Johann Topf Weine sehr gut gefallen, in unseren Plaudereien mit den Besuchern haben nahezu alle Befragten das Gut Joann Topf als besondere Empfehlung auf dieser Verkostung genannt.

Dagmar Reinberger vom Gut Alfred und Dagmar Reinberger aus Grafenwörth lässt uns den Grünen Veltliner Brenner aus südlicher Hanglage probieren. Sandig, würzig beschriebt sie ihn für uns gut verständlich. Sie erzählt, bei diese Veranstaltung ist sie jedes Jahr und das Interesse an Ihren Weinen ist, das können wir sehr gut sehen, groß. Wir verkosten noch den Grünen Veltliner  Fumberg vom tiefgründigen Löss und den Roten Veltliner von den Lössterrassen dessen Frucht uns ganz besonders gut gefallen hat.

Michaela Sandler mit besonderer Freude und großem Einsatz hier im Dienst für die Domäne Wachau aus Dürnstein und lässt 3 bereits abgefüllte Lagenveltliner und 2 Fassproben verkosten. Ihre Aufgabe im Shop des Gutes und als Führerin in den Kellern macht Sie mit ebensolcher Freude und Energie auf deutsch und englisch berichtet sie nebenbei. Wir können uns das sehr gut vorstellen.

Für die Beurteilung der Weine bekommen wir Unterstützung von Günther Schweiger,

einem überaus genauen und fleissigen Verkoster dieser Veranstaltung. Er berichtet, 120 Weine zu kosten ist er absolut in der Lage, wobei er wohl gesteht, bei Nummer 80 kann Ihn wohl eine kleine Depression zurückwerfen. Sein Geheimnis: Immer spucken, ein klarer Kopf die Grundvoraussetzung.

Er beurteilt die Domäne Wachau pauschal als Anbieter besonders  sauber gemachter Weine und weist auf seine Favoriten den Grünen Veltliner Steinfeder Hochrain mit seiner hohen Extrasüße als sehr guten Speisebegleiter hin. Für Michaela Sandler ist der Grüne Veltliner Federspiel Kollmitz der Favorit.

Wir können uns nicht entscheiden und kämpfen uns durch das mittlerweile unglaublich intensiv gewordene Getümmel weiter zu Franz Leith aus Fels am Wagram der im Dauerfeuer der Koster steht und sich seiner Rolle als besonders hochbewerteter Winzer mit besonders hochgeschätzten Weinen durchaus bewusst ist. Der Grüne Veltliner Schafflerberg, sowie der Brunnthal Erste Lage und der Scheiben Erste Lage werden uns als die absoluten High Lights der heutigen Veranstaltung von etlichen Verkostern genannt. Kellermeister ist der Sohn Franz junior gelehriger Schüler seines Vater und der Klosterneuburg Schule. Franz Leith sen. ist Weitreisender in Dienste seiner Weine und seines Gutes und erzählt uns geduldig von den nächsten Abstechern nach Finnland und Schweden seinen wichtigen Exportmärkten.

Uns überrascht das Preisnivau und begeistert die Energie des Menschen und der Weine.

Mit vorgerückter Stunde wird die Ovalhalle gestürmt, wir gratulieren dem Veranstalter und den Winzern und flüchten. Zum nächsten Event von Herrn Obermaier wollen wir lieber doch noch früher kommen.

Im Couvent des Minimes (Provence): Top Weine, sensationelles Morchelmenü mit überfordertem Weinservice

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Am Ortsrand von Mane in der Provence befindet sich das im Jahr 1613 von Marquis Melchior de Forbin Janson  gegründete Kloster Couvent des Minimes, welches heute ein gehobenes Hotel, Restaurant und einen beachtlichen Weinkeller beherbergt. Küchenchef Phillippe Guérin schwingt dort die Löffel und bereitet aktuell das Menü mit Morcheln „La Morille“, welches ich selbstverständlich mit einer anständigen Weinbegleitung getestet habe.

Als Vorspeise kommen Spargel und Morcheln aus der Provinz Saint Vincent mit Liebstöckel und Wachteleiern. Dazu kommt gleich einmal einer der interessantesten Weine den ich in der letzten Zeit verkosten durfte. Ein Domaine Taille aux Loups 2009, welcher aus Chenintrauben hergestellt wird. An die Nase bringt der 13,5% starke Wein verführerische Düfte von  Limetten, Pfirsich und frisch gemähten Gras was schon fast an einen heimischen Riesling erinnert. Am Gaumen zeigt der Wein dann zwei Gesichter. Am Anfang spürbar der ölige, rauchige Geschmack des Barrique Ausbaus, welcher mir beim Riechen noch komplett verborgen blieb. Danach ein lang anhaltender Abgang mit Zitrusfrüchten. Dieser Wein hat wahrlich zwei Gesichter.

Zum Hauptgang wird in kleinen Röllchen dekorierte Seezunge mit einer Sauce aus iberischen Schinken und den obligaten Morcheln serviert. Dazu hat der Sommelier einen Sauvignon Blanc, Sancerre 2009 von Pascal Jolivet aus dem Loiretal. Das Bouquet wird von intensiven Honigdüften dominiert, neben denen noch Anklänge überreifer Marille Platz haben. Am Gaumen entfaltet der Wein eine intensive Frucht mit Anklängen an reifen Pfirsichen und sorgt für einen langen Abgang.

Zum Käsegang kommt Rotwein in Form eines Gouverneur Saunt-Auban, Domaine de la Citadelle aus dem Côtes du Luberon zum Einsatz. Der Cuvée beinhaltet 70% Syrah nebst 30% Grenache und wird von den ältesten Reben auf den Hauts Artèmes Plateau geerntet. An der schwer syrahlastigen Nase orte ich Anklänge von Johannisbeere und Bitterschokolade. Am Gaumen erinnert der mit 14% sehr schwere und lang anhaltende Rotwein an Dörrzwetschke mit einer Andeutung an Gewürznelke.

Das nach aufwändigen Umbau- und Renovierungsarbeiten aus einem ehemaligen Kloster entstandene Hotel blickt auf eine jahrhundertelange Geschichte zurück und ist ein besonderes Romantikplätzchen. Küche und Keller habe ich hier auf höchsten Niveau kennengelernt. Leider hat bei meinem Besuch das Service hinter der ausgezeichneten Küche und dem genialen Weinkeller hinterhergehinkt. So kam der Wein einmal nach dem Essensgang und einmal musste ein Kellner wieder mit meiner Speise zurück in die Küche da der vorherige Gang noch nicht abserviert war. Aber auch Kellner können einmal einen schlechten Tag haben. Die Küche und die Weinauswahl haben diese paar Patzer voll aufgewogen.

COUVENT DES MINIMES – HOTEL SPA
Chemin des Jeux de Maï
04300 Mane-en-Provence
Frankreich

Tel : +33 (4) 92 74 77 77
Fax : +33 (4) 92 74 77 78
http://www.couventdesminimes-hotelspa.com
reservations@couventdesminimes-hotelspa.com

Wein aus der Provence: Eine Besichtigung des Château de Berne

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Eines der interessantesten  Weingüter der Provence ist wohl das Château de Berne im Departement Var. Es befindet sich am Rand des malerischen Städtchens Lorgues und ist in circa 1,5 Stunden mit dem Auto vom etwa 100 Kilometer entfernten Flughafen Nizza erreichbar. Das leicht hügelige Anwesen am Rand von Lorgues umfasst 600 Hektar und bringt jährlich 500.000 Flaschen Wein auf den Markt. Das ehrwürdige Château de Berne hat seine Wurzeln bereits bei den Römern, im Mittelalter waren Zisterzienser und Tempelritter vor Ort und im 18. Jahrhundert wurde im Auftrag von Napoleon Bonaparte hier Wein produziert. Gegenwärtig verlassen jährlich 500.000 Flaschen Wein das Château. Dabei stellt der Roséwein mit einem Löwenanteil von 70% den eindeutigen Produktionsschwerpunkt dar. Weitere 10% Anteil stellen Weißwein und 20% wird im Rotweinbereich produziert. Abgefüllt wird seit vier Jahren in markant, eckigen Flaschen. Ein Marketingschachzug, der eine Wiedererkennung von weitem gewährleisten soll.

Das Konzept des Weingutes ist selbst für den Weinkonsumenten leicht durchschaubar. Es gibt leichtere Weine – benannt Terres de Berne – die im Stahltank gären und intensivere Brüder – die Cuvée Speciale – die einige Monate im Holzfass heranreifen. Die verwendeten Holzfässer stammen übrigens ausschließlich von französischem Holz, erklärt mir Laurie bei einem Rundgang durch die Produktionsstätten. Die amerikanischen Fässer geben aus ihrer Sicht zu intensiven Holzgeschmack ab, während die hier verwendeten französischen Hölzer einen dezenteren Barriqueton versprechen.

Die Trauben werden am Château de Berne nicht gepresst sondern mit Hilfe riesiger Zentrifugen ihres Saftes beraubt. Meine Führerin und Weinexpertin Laurie erklärt mir, dass diese Methode dem Wein mehr Intensität und Farbe verleiht. Hoch über den riesigen Stahltanks ist das Labor in dem die Winzer an Computern streng die Temperatur, den Alkoholgehalt und den pH-Wert des Weines in jedem einzelnen Stahltank überwachen.

Geerntet wird jedes Jahr Ende August bis Anfang September. Eine Ausnahme stellte allerdings das letzte regenreichere Jahr da, erzählt Laurie. Im Jahr 2010 begann die Ernte deswegen erst später als sonst, am 26. September.

Als abschließende Krönung der Besichtigungstour bietet mir Laurie die obligatorische Weinverkostung an, die von mir selbstverständlich gerne angenommen wird. Wir beginnen mit einem Rosé, dem Terres de Berne 2010. Die darin enthaltenen Traubensorten Cinsault und Grenache sorgen an der Nase für einen Anklang nach Pfirsich und Marillen. Man muss zweimal riechen, erklärt Laurie, denn der Wein bekommt nach dem Schwenken eine andere Nase. Sie hat Recht. Nach einem Schwenken des Weinglases tauchen da plötzlich Töne von Erdbeere auf. Das ist ja fast Magie. Um die Farbe besser zu beurteilen hat Laurie Mustergläser mit unterschiedlichen Farbnuancen parat. Wir entscheiden uns den Wein der Farbe Melone zuzuordnen. Am Gaumen liefert  der Terres de Berne Rosé 2010 zu Beginn einen würzigen Ansatz der nach einem leichten Übergang mit einem leichten, raschen und fruchtigen Abgang endet. Obwohl einem der Rosé sehr leicht vorkommt und Laurie ihn für einen netten Nachmittag am Pool empfiehlt ist Vorsicht zu genießen. Der Rosé hat immerhin 13% Alkoholgehalt.

Schon kräftiger empfinde ich den Rosé Cuvée Spéciale 2010, der zwar nur ebenfalls 13% Alkoholgehalt aufweist, aber im Holzfass gereift ist. Der mangofarbene Rosé ist an der Nase zurückhaltender als der Erstverkostete. Die im Holzfass gereiften Traubensorten Cinsault und Grenache strömen ein dezentes Aroma nach Mango und Ananas aus. Apropos: Cinsault ist eine sehr alte rote Rebsorte, die in der Provence weit  verbreitet ist. Seine helle Farbe, der sanfte Duft und die Frucht machen Cinsault zu dem perfekten Rosé-Bestandteil. Grenache wiederum ist eine rote Rebsorte und so hört man die vierthäufigst angebaute der Welt. Der Abgang des Rosé Cuvée Spéciale 2010 ist fruchtig und kräftig. Als ideale Speise empfiehlt Laurie Bouillabaisse oder würzige Speisen.

Nun schwenken wir Weißwein in unseren Gläsern und beginnen mit dem im Stahltank produzierten Terres de Berne 2010. Er besteht zu 80% Ugni Blanc und zu 20% Semillion. Ugni Blanc ist eine sehr alte Rebsorte, die im vermutlich im 14. Jahrhundert von Italien nach Frankreich importiert wurde. In Italien ist sie unter dem Namen Trebbiano bekannt. Semillion ist weltweit angeblich die achthäufigste weiße Sorte und gehört zu den besonders edlen Sorten, obwohl sie so ertragreich ist. An der Nase stellen sich beim ersten Riechen Essenzen von Zitrone ein. Nach dem Schwenken gesellen sich Anklänge von grünen Apfel dazu. Der mit 12% relativ leichte Weißwein ist am Gaumen zuerst sehr frisch und sorgt danach für einen fruchtigen Abgang.

Wir behalten das Muster bei und gehen nun zum im 9 Monate im Holzfass gereiften weißen Cuvée Spéciale 2008 über. Er hat 12,5% Alkoholgehalt und mir fallen sofort die vielen Schwebeteilchen in der Flasche auf. Sein Bouquet besticht mit Holz, Tabaktönen und Mandelaromen. Am Gaumen liefert der Wein zuerst einen fruchtigen Beginn, der von einem sanften Barriqueabgang abgelöst wird. Laurie empfiehlt mir dazu Trüffelspeisen, Roquefort oder Fisch in Essigsaucen.

Gegen Ende meiner Verkostung sind selbstverständlich Rotweine das Thema und wir beginnen wieder mit einem reinen Stahltankwein – dem aus 60% Grenache, 30% Syrah und 10% Cabernet Sauvignon bestehenden Terre de Berne 2009. Die Rubinfarbe mit dem hellen Rand offenbart die Jugend des Weins. Trotz der Jugend beeindruckt der Wein mit einer schweren Nase aus überreifer Zwetschke und Himbeere. Am Gaumen ist der Rote zu Beginn sehr trocken und geht in einen fruchtigen Tanningeschmack über. Laurie’s Speiseempfehlung zum 13% starken Rotwein lautet Grillfleisch.

Und weiter geht es mit einem roten Cuvée Spéciale 2004. Der 13,5% starke rubinrote Rotwein wird zu 50% Syrah, 40% Cabernet Sauvignon und 10% Grenache gekeltert und reift 12 Monate im Holzfass – wohlbemerkt aus französischen Hölzern. An der Nase machen sich Brombeeren, Gewürze und Holz bemerkbar. Am Gaumen nehme ich Anklänge von Tabak und Kakao nebst sanften Tanninen wahr. Laut Laurie soll dazu mittelkräftiges Essen wie zum Beispiel Lamm perfekt passen.

Zum Abschluss wird mir noch ein wahrer Bomber – wie ich es besonders gerne habe – dekantiert. Es handelt sich dabei um einen roten Cuvée Spéciale 2007, der ebenfalls zu 50% Syrah, 40% Cabernet Sauvignon und 10% Grenache besteht, aber mit 14,0% Alkoholgehalt zu Buche schlägt. An die Nase kommen da fast schon Portweintöne. Am Gaumen setzt sich zu meiner Freude mein geliebter Cabernet Sauvignon eindeutig durch, gibt Anklänge an Bitterschokolade frei und geht in einen langen leicht süßlichen Abgang über. Ein gefährlicher Wein von dem ich nicht so leicht genug bekommen kann. Laurie’s Speiseempfehlung lautet Steak und dem kann ich mich wahrlich nur anschließen.

Das Château de Berne beherbergt am Weingut auch ein ausgezeichnetes Hotel mit jedem nur erdenklichen und zuvorkommenden Service und dem Gourmet-Restaurant L’Orangerie in dem man sich zu den Menüs mit den hauseigenen Weinen des Château de Berne begleiten lassen kann.

Weitere Infos:

Château de Berne
Hotel und Restaurant in einem Weinberg
Route de Salernes
83510 Lorgues (Var)
Frankreich

Tel. : +33 (494) 604888
Fax : +33 (494) 604889

 

eMail: lacave@chateauberne.com & hotel@chateauberne.com
Internet: http://www.chateauberne.com & www.relaischateaux.com/de/search-book/hotel-restaurant/berne

Ein Abend im fresko

Als Ober St.Veit noch hauptsächlich ein Weinort war, mit Winzern und Heurigen, Maria Theresia das Schloss neben der Kirche als Sommersitz bereiste, sind die kleinen Winzer- und Bauernhäuschen in den Gassen des ehemaligen Wiener Vorortes entstanden.

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Trippa kochen:Zwiebel und Knoblauch mit Lorbeerblättern anrösten, Peperoncini und die nudelig geschnittene Kutteln dazugeben.Mit Weisswein ablöschen und mit Gemüsesuppe aufgiessen, Ligurische und Calamata Oliven dazugeben mit Thymian, und Origano und Salz würzen. Paradeissauce dazugeben und nach dem Rühren und Aufkochen mit 2 Fingerbreit Suppe bedecken.3 Stunden köcheln lassen.

Direkt unter der Kirche ist heute eine kleine Lokal- und Einkaufsmeile und mitten drinnen, an prominenter Stelle, das älteste Haus von Ober St.Veit, das ehemalige Fleischerhaus am Hauptplatz. Fünf Generationen haben hier geschlachtet und dargeboten, sozusagen der Bauch des Örtchens. Heute werkt hier im Haus Heinz Futterknecht in seinem Fresko, das er liebevoll in das Gebäude eingearbeitet hat.

Ein Weinplatz mit mediterraner Küche, die hier dem österreichischen Wein gegenübergestellt wird. Giovanni, sein Koch, von den Gästen Gianni genannt, kocht hier Ungewöhnliches, zum Beispiel Kutteln auf ligurische Art.

Wir erfahren von den gravierenden Unterschieden zwischen Blättermagenkutteln und dem Pansenmagen, erkundigen uns über die Zubereitung und das Rezept. Nicht genannt werden die Lieferanten der äußerst raren Zutaten, es bleibt uns also Giannis Küche als Quelle für den Genuss.

Klar, es gibt eine Karte, lieber ist es aber beiden Teilen, den Gästen und dem Koch, wenn er direkt am Tisch stehend, von den Zutaten, die bereit liegen, berichtet und seine Ideen kundtut, die er bei einer eventuellen Zubereitung verfolgen will, während er vorerst die köstlichen Fantasiegebilde der Gerichte in den Köpfen seiner Zuhörer entstehen lässt.

Die Getränkeberatung vom Aperitiv bis zum Fluchtachterl lässt sich der Hausherr nicht nehmen. Leidenschaftlich empfiehlt er den Chardonnay Hochgrassnitzberg 2009 zum Meeresfüchteteller seines Koches. Das Weingut Arnim Polz Kiefer aus Spielfeld, von Heinz Futterknecht für sein Lokal entdeckt, liefert ihn.
Alternativen von diesem Gut sind der Welschriesling 2009 und ein wunderbarer gelbe Muskarteller 2010.

Weitere Besonderheiten:
Spitze ist der Gelbe Muskarteller 2009 vom den Brüdern Fuchs aus Glanz bei Leutschach.Heinz Fink vom Göttweiger Berg liefert den Grünen Veltliner Riede Spittenberg.Vom Weingut Migsich aus Antau bei Mattersburg kommt der Goethewein 2008, in schönem dunklen Rubin.
gg

Heinz Futterknecht ist bereits 10 Jahre vor seiner Pension zum Weinexperten geworden, er hat mit diesem Lokal seine Frühpension zum Aktivsein verwandelt und eine neue Lebensmitte erschaffen. Hier über dem Maria Theresianischen Kartoffelkeller, der ehemals mit langen Gängen mit dem Schloss Schönbrunn verbunden gewesen sein soll, hat er ein Bachusfresko an die Wand malen lassen und die Räume mit viel Geschmack zu einem Platz des Ausspannens und des Träumens gemacht. Den Tipp dazu erhielt er von einem anderen Ober St. Veiter Gastronomen, dem er sein selbst gebrautes Bier verkaufen wollte und der ihn auf die zur Verfügung stehenden Lokation hingewiesen hat.

Meine beiden großen Lieben: Südtirol und Elsass vereint in meiner Küche

Elsässischer Zwiebelkuchen und St. Magdalener Oberingram 2009 vom Weingut Alois Lageder

Ich bewundere meine Frau wie sie ökonomisch und ohne irgendein Kochbuch zu gebrauchen alltäglich in rekordverdächtiger Zeit mit einer Selbstsicherheit die seinesgleichen sucht echt tolle Kulinarik auf die Teller vierer hungriger Mäuler zaubert. Das würde ich nie zusammenbringen. Deshalb gehört die Küche immer meiner Frau. Wirklich immer? Nein – an manchen Tagen regt sich mein Widerstand und dann koche ich. Das wird natürlich zelebriert und ich erhole mich dabei prächtig von einem harten Arbeitstag. Und die Tür bleibt zu. Ein weiser Tipp a la „aber so würde es doch viel leichter und schneller  gehen“ bringt uns sonst an den Rand einer handfesten Ehekrise. Also: Tür zu.

Ist einmal die Tür zu, dann geht es zur Sache. Auf Männerart. Versteht sich. Also rein mit dem iPhone in die BOSE Docking Station und eine gute Musik aufgelegt. Und dann wird gleich mal vorsorglich jener Wein entkorkt, der dann in Folge auch kredenziert wird. Man darf sich doch einen Schluck beim Kochen gönnen, oder?

Letzte Woche lebte ich meine zwei großen Lieben aus. Südtiroler Weine und französische Küche – um genauer zu sagen Elsässische Küche. Gekocht habe ich einen Elsässischen Zwiebelkuchen. Doch ein wenig ökonomisch, denn den serviert man warm und kann auch am Tag danach noch kalt davon naschen. Dazu passt natürlich hervorragend ein Rotwein mit mittelkräftiger Struktur. Und so fiel meine Wahl auf einen St. Magdalener Oberingram 2009 vom Weingut Alois Lageder. Diesen Beitrag weiterlesen »