Weine
Meine beiden großen Lieben: Südtirol und Elsass vereint in meiner Küche
Ich bewundere meine Frau wie sie ökonomisch und ohne irgendein Kochbuch zu gebrauchen alltäglich in rekordverdächtiger Zeit mit einer Selbstsicherheit die seinesgleichen sucht echt tolle Kulinarik auf die Teller vierer hungriger Mäuler zaubert. Das würde ich nie zusammenbringen. Deshalb gehört die Küche immer meiner Frau. Wirklich immer? Nein – an manchen Tagen regt sich mein Widerstand und dann koche ich. Das wird natürlich zelebriert und ich erhole mich dabei prächtig von einem harten Arbeitstag. Und die Tür bleibt zu. Ein weiser Tipp a la „aber so würde es doch viel leichter und schneller gehen“ bringt uns sonst an den Rand einer handfesten Ehekrise. Also: Tür zu.
Ist einmal die Tür zu, dann geht es zur Sache. Auf Männerart. Versteht sich. Also rein mit dem iPhone in die BOSE Docking Station und eine gute Musik aufgelegt. Und dann wird gleich mal vorsorglich jener Wein entkorkt, der dann in Folge auch kredenziert wird. Man darf sich doch einen Schluck beim Kochen gönnen, oder?
Letzte Woche lebte ich meine zwei großen Lieben aus. Südtiroler Weine und französische Küche – um genauer zu sagen Elsässische Küche. Gekocht habe ich einen Elsässischen Zwiebelkuchen. Doch ein wenig ökonomisch, denn den serviert man warm und kann auch am Tag danach noch kalt davon naschen. Dazu passt natürlich hervorragend ein Rotwein mit mittelkräftiger Struktur. Und so fiel meine Wahl auf einen St. Magdalener Oberingram 2009 vom Weingut Alois Lageder. Diesen Beitrag weiterlesen »
Jungweinschnuppern auf historischen Spuren in Jedenspeigen am 12.3.2011
Im Osten durch die March von der Slowakei getrennt, im Norden an Tschechien grenzend, im Süden und Westen an Wien und das Marchfeld treffend, liegt das südliche Weinviertel mit dem historischen Ort Jedenspeigen. Auf diesem geschichtsträchtigen Boden fand im Jahre 1278 eine der größten Ritterschlachten aller Zeiten statt. Rudolf I. von Habsburg stellte sich hier gegen Ottokar II. und legte hier den Grundstein für die österreichische Habsburger Regentschaftsdynastie.
Das heutige Thema ist aber die Präsentation der Jungweine des Jahrganges 2010 von 18 Winzern der Umgebung Jedenspeigen und Sierndorf. Eingeladen in die Presshäuser, Stüberln und Weinkeller haben die Winzerinnen und Winzer zur Verkostung und Labung mit so manchen Schmankerln. Das Wetter war erstmals frühlingshaft und warm, und die Kellergassen waren so gut besucht wie noch nie.

Wo bleibt der Wein? Lokalaugenschein im Restaurant Sodoma in Tulln
Nach einem hochsommerlichen Aubad-Besuch in Tulln knurrt einem abends dann der Magen besonders. Zudem ist im Aubad gerade der weiße Spritzer das Highlight der dort ansässigen Sommeliers. Was liegt da näher als dem sehr unterschiedlich bewerteten Restaurant Sodoma einen Besuch abzustatten. Noch im Aubad versuchten wir telefonisch zu reservieren und erhielten um 18:30 vom Chef die Auskunft, dass derzeit alles voll sei, aber vielleicht um 20:00 ja einige Herrschaften gehen würden. Also ein klassisches österreichisches „Vielleicht“. Nun gut, vielleicht keine typische Reservierungsauskunft eines mit zwei Hauben bewerteten Restaurants, aber die Neugierde siegte und wir peilten trotz drohender Abfuhr den vermeintlichen Tullner Gourmet-Tempel an.
Als wir knapp vor 20:00 ankamen, war es dann doch kein Problem einen Tisch für zwei Personen im gut besuchten Garten zu bekommen. Erste positive Weinfreude: Die Kellnerin beriet und ausgezeichnet zu unseren gewählten Speisen (Branzino mit Gemüse und Kalbsrückenfilet mit Eierschwammerl und Nudeln). Sie gab uns Aufschluß über die Nuancen der von ihr angebotenen offenen Weine und hat uns in beiden Fällen einen perfekt zur Speise passenden Wein offeriert, den wir auch bestellten.
Zum Branzino genossen wir einen Grünen Veltliner, Ott vom Berg 2009 der mit 11% Alkohol den sommerlichen Temperaturen und dem feinen Fischfilet und dem gegaarten Gemüse angepasst waren. Feine Marillennuancen erfreuten unseren Gaumen.
Zum Kalbsrückenfilet genossen wir einen St. Laurent 2007 vom Weingut Glatzer, der mit 13% Alkohol und sehr dezent gehaltenen Barrique Geschmack der ideale Begleiter zum Fleisch war. Dieser Rotwein hatte es mir besonders angetan. Aromen von Weichsel, Schokolade und Pistazie mit einer rubinroten Farbe. Einfach herrlich süffig.
Was uns negativ auffiel und das kann ich absolut nicht ausstehen: der Wein wurde zu spät gebracht, nämlich erst einige Minuten nach dem Servieren der Speisen. So etwas darf bei einem Weinpreis von fünf Euro pro Glas und mehr in einem 2-Hauben-restaurant einfach nicht vorkommen und vermiest einem das sensationell tolle Essen. Das Service könnte hier noch etwas gegenüber der Küche aufholen.
Sodoma
Bahnhofstraße 48
3430 Tulln
Telefon: 02272 / 64616
Nur Käse und Schinken aus Österreich
Eine Traube Menschen, allesamt im Businesslook steht hier mit einem Weinglas in der Hand vor der Türe, ich frage nach: “Gibt es hier heute etwas gratis?” Nein, einfach ein Ausklingen nach dem Büro der Nachbarschaft mit gutem Wein. Der Frankhplatz ist ein ruhiger Punkt in dieser Stadt, die Nationalbank, das ehemalige AKH, das Landesgericht die Nachbarn. Umsomehr fällt diese vergnügte Menschenansammlung auf und erinnert ein wenig an das abendliche Leben einer italienischen Kleinstadt.
Wein & Genuss nennt Mag. Georg Somloi den Ort, an dem es die wunderbaren kalten Köstlichkeiten um 5€ zum Naschen gibt, die Käsemacher, Käse aus Vorarlberg, Rohschinken, Chilimarmelade, eingelegte Patissonminikürbisse, Beinschinken und gutes Brot begleiten die Verkostung dieses Abends: Riesling aus dem Weinviertel. Um 10€ probieren wir zuerst Steinbergen von Julius und Erika Klein aus Pernersdorf, dann Manhartsberg vom Weingut Seher aus Platt, auch aus Platt den Riesling vom Weingut Honsig, aus Deizendorf von der Familie Laurer den Sortensieger der Retzer Weinwoche, dann meinen Favoriten dieser Verkostung, den Wartberg vom Gut Prechtl aus Zellerndorf, den Reipersberg von Gschweicher aus Röschitz, den Urgestein vom Winzerhof Regina und Franz Stift aus Röschitz und die Bombe aus dem Schrattental Innere Bergen vom Weingut Zull. In Staniol gewickelt, die Überraschung. Ich bin ein wenig enttäuscht, wenig Säure, wenig Frucht, trotzdem viele Nuancen, mild und angenehm. Elisabeth Honsig, die uns liebevoll durch diese Verkostung begleitet hat, lüftet das Geheimnis rasch, wir haben keine Chance. Ryzlink vom Spalek aus Znaim, nur wenige Meter neben Österreich, gleich nach der Grenze, ein VOC.
Gebirgsforelle und Muskateller auf der Moarhofalm
Die Moarhofalm ist eine versteckte Perle im Schladminger Bergland. Hier gibt es laut Karte eigentlich “nur” Hausmannskost. Dazu gehören aber frisch gefangene Wildforellen, die am Holzofen in der Pfanne zubereitet werden. Um 12,50 Euro ein einfach unschlagbares Preis-Leistungsverhältnis. Dazu habe ich mir ein Achterl Muskateller um 3 Euro vom Weingut Walter Postl aus Leutschach gegönnt. Herrlich was man auf so einer liebevoll bewirtschafteten, steirischen Almhütte an Überraschung erleben darf.
Das Bukett kräftig mit deutlichen Muskatzügen und verhaltenen Stachelbeernuancen, verwöhnt auch den Gaumen mit etwas atypischen Marillenessenzen die diesen Wein besonders attraktiv machen. Die schöne Frucht wird durch einen sehr harmonischen Säurespiegel in der Waage gehalten. Selbst auf einer steirischen Alm kann man tolle Weinerlebnisse haben. Oder besser: Gerade auf steirischen Almen kann man solche Überraschungen erleben. Ich habe die Steiermark einfach sehr gerne. Nicht nur wegen den hervorragenden Weinen. Es sind Land und Leute die mich beeindrucken.







