Bericht vom Göttlesbrunner Jungweinschnuppern 2010

Wie schon in den letzten 14 Jahren lud Göttlesbrunn auch diesen April wieder zum Jungweinschnuppern ein. Obwohl zu diesem Termin traditionell nur etwa halb so viele Besucher wie zum Leopolidgang im November erwartet werden, waren wir vom Besucherandrang positiv überrascht und hatten Gelegenheit zu vielen Interviews mit vielen privaten und professionellen Verkostern. Im November gab es ca. 3500 Gäste. Der Apriltermin ist klar im Aufholen zum Leopoldigang. Start war beim jungWIRT, da bekamen wir die Eintrittsberechtigung und die Verkostungsliste mit allen 21 Betrieben.

Unsere erste Station war das Weingut der Familie Hans Glock, bei der vor 4 Wochen das erste Kind der 4. Generation geboren wurde.

Eine Freundin des Hauses schwärmt von der Kuhschelle, einem Zweigelt Merlot aus den großen Holzfass, und gibt uns als Ihren Geheimtipp den St.Laurent mit auf den Weg.

Durch einen kurzen Regenguß angetrieben landen wir rasch bei der Bio Weingärtnerei Artner.

Herr Artner erzählte: Wir betreiben schon seit fast 15 Jahren biologischen Weinbau. Wichtig dafür ist es, dass der Wein viel Luft bekommt. Alles Überflüssige, auch Blattwerk, muss regelmäßig ausgeschnitten werden. Viele unserer Gäste kommen auch von weit her, bestellen schon lang im Vorhinein ihr Quartier in Göttlesbrunn, um beim Jungweinschnuppern dabei zu sein. Beim Artner trafen wir

Mag. Christian Horvath. Er fand, dass hier alle Weine noch sehr jung wären aber ein großes Potential hätten. „Der Savoir 2007 schmeckt mir sehr gut und ich bin schon neugierig wie der nach der Flaschenreife sein wird.

Mir hat bei Artner am besten der Roesler 2007 geschmeckt. Er ist bereits sehr harmonisch. Ich finde toll, dass Artner biologischen Weinbau betreibt“, unterstrich Horvath.

Gabriele Hinteregger aus Oberösterreich hatten es eher die weißen Artner Weine angetan. „Als Einstieg bei der Bio Weingärtnerei Artner probieren wir immer den Triathlon (2009). Besonders gut hat mir hier der Chardonnay 2009 geschmeckt. Er ist sehr fruchtig, vollmundig und gut im Abgang.  Mit 6,50 Euro weist er ein ausgezeichnetes Preis/Leistungs-Verhältnis auf“, befand Hinteregger.

Ing. Ludwig Appinger fand sortentypische Geschmackskomponenten am wesentlichsten bei seiner Weinbeurteilung. Dabei fiel ihm bei der Bio Weingärtnerei Artner der Merlot 2007 auf. „Es ist ein Merlot, den man selten so sortentypisch findet.  Er hat eine unheimliche Frucht, das Holz ist schon schön eingebunden und für 2007 zeigt sich dieser Wein schon sehr rund. Der wird noch haltbarer als jener vom Jahr zuvor“, erfreute sich Appinger, der die Bio Weingärtnerei Artner schon seit 2006 kennt. „Ich bin ein Fan von Cuvee’s wie ZW/BF und ZW/CS/ME deshalb liegt mir auch der Signum Artis (ZW/ME/SH) 2007 sehr. Er hat bereits jetzt Trinkreife, aber ich würde ihm noch drei Jahre geben bevor ich ihn trinken würde“, ergänzte Appinger.

Auf einem extra Standl im Hof präsentiert Elisabeth Raser Ihre Käsespezialitäten. Hannes Raser hat sogar einen Rubin Käse kreiert, wir können aber diesmal aus Zeitmangel nicht davon kosten. Wein und Käse sind halt schon jeher eine beliebte Kombination. Hier stehen eine Bio-Bauer und ein Bio-Winzer zusammen.

Das Bioweingut Hofschneider-Messermayer erzeugt bereits seit 10 Jahren biologischen Wein. Auf die Frage, worauf man dort besonders Stolz sei, wurde der Gelbe Muskateller 2009 hervorgehoben. „Fruchtig, süffig und guat“ haben wir als Eigenschaften mitbekommen. Dieser Gelbe Muskateller der Familie Hofschneider- Messermayer ist auch immer wieder in den Kostnotizen unserer Interviewpartner hervorgestochen.

Stefan Haider besuchte das Göttelsbrunner Jungweinschnuppern zum fünften Mal mit Freunden aus Bratislava.

Er freute sich vor allem über den Grünen Veltliner Bärnreiser 2009 am Weingut Hofschneider-Messermayer: „Dieser grüne Veltliner ist sehr lebendig, sehr fruchtig und frisch. Das gefällt mir gerade jetzt im Frühjahr. Im Winter trinke ich dagegen lieber Rotweine.“ Aber auch der gelbe Muskateller 2009 wurde von ihm für sehr gut befunden. „Der gelbe Muskateller 2009 hat ein noch besseres Bouquet als im Jahr zuvor“, erfreute sich Haider.

Am Weingut Nepomukhof konnten wir den Weinsammler und Weinliebhaber Dr. Norbert Schmickl zu einem Interview gewinnen. In seinem Weinkeller sind Weine aus Österreich am meisten vertreten.

Den Nepomukhof schätzt er vor allem wegen seiner guten Pinot Noir’s. „Der Pinot Noir Classic 2007 weist einen typischen Pinot Geschmack auf. Er hat eine feine Struktur und ist ein nicht so alkohollastiger Wein. Auch betreffend Tannine sehr ausgewogen“, so Schmickl.

Im Keller vom Nepomukhof haben wir auch die Verkostungsrunde bestehend aus Isabella Plank, Petra Piesel und Rudolf Prochazka zum Weinreporter Interview gebeten. „Beim gelben Muskateller 2009 riecht man nicht nur das sortentypische Bouquet – er schmeckt auch noch gehaltvoller als jene, die wir bisher heute verkostet haben. Das Preis/Leistungs-Verhältnis ist mit 7,50 Euro sehr gut“, eröffnete Isabella Plank. Petra Piesel hatte es vor allem der Jungspund (Frühroter Veltliner) 2009 angetan: „Der Jungspund schmeckt leicht und sehr gut und passt hervorragend zu einem natur gebackenen Fisch mit Salat. Mit 4,50 Euro ein Spitzenwein.“ Rudolf Prochazka verkostete den Pinot Noir Reserve 2007 und den Cuvee Nepomuk (ZW/ME/BF) 2007. „Der Pinot Noir Reserve 2007 schmeckt mir zu stark nach Barrique. Besser gefällt mir der Cuvee Nepomuk 2007, weil er mehr Aroma entfaltet und mit seinem beerigen Duft und geringeren Barriquegeschmack aufwartet“, erklärte Prochazka.

Hans Netzl vom Weingut Hans und Martin Netzl erzählt uns, dass auch hier die Familie seit 3 Generationen Wein macht.

 Zu den Weinen vom Weingut Hans & Martin Netzl befragt, bewertete eine Gruppe aus dem 21. Wiener Gemeindebezirk den „Oida Schwoaza“ (ZW/BF/ME) 2007 und den St. Laurent Reserve 2006.

Bei ersterem war man sich über seine gute Frucht und über seinen tollen Körper einig.  Auch sein intensives Bouquet erfreute die Gruppe. Allerdings kam einigen der Herren der Holzfassgeschmack zu stark in den Vordergrund. Die Empfehlung dieser Herrenrunde beim Weingut Hans & Martin Netzl war der St. Laurent Reserve 2006. „Das Barrique ist bei diesem Wein sehr dezent vertreten“, war man sich einig.

Das Weingut Walter Glatzer durften wir wieder in einigen sonnigen Minuten besuchen, hier trafen wir die 6 Weinreisenden aus Tirol, die offenbar das Weinreisen zu verschiedenen Veranstaltungen zum gemeinsamen Hobby gemacht haben.

Einer aus der Gruppe, Hannes Huber erzählt, nicht das erste Mal gemeinsam hier zu sein, und auch schon die nächsten Besuche und Termine fest im Auge zu haben. Über Stimmung und Wein haben Sie sich bedeckt gehalten. Das Bild aber spricht Bände.

Astrid Weiss ist bereits zum achten Mal in Göttlesbrunn. Wir trafen sie hier am Weingut Walter Glatzer beim Verkosten. „Mir hat der grüne Veltliner Dornenvogel 2008 am besten geschmeckt. Es ist ein sehr schöner, fruchtiger Weißwein für den Sommer mit einer angenehmen Säure und hat mit 6,50 Euro ein sehr gutes Preis/Leistungs-Verhältnis. Ich könnte mir dazu einen netten Saibling oder Fischspieße am besten mit einem warmen Paprikasalat vorstellen“, erklärte Weiss.

Carsten Schrödel beurteilte den Cuvee Gotinsprun (BF/ME/SY/ST.L) 2008. „Das Bouquet ist zwar nicht so toll, aber dieser Rotwein weist einen sehr aufregenden intensiven Geschmack mit ausgewogenen Tanninen auf. Ich könnte mir dazu sehr gut einen Rehrücken oder eine Rindsroulade vorstellen – am besten in Rotweinsauce“, meinte Schrödel.

Die Terrasse und der Verkostungsraum des Weingutes Franz und Christine Netzl haben eine ganz besondere Qualität und Atmosphäre, und so genießen wir den Ausblick auf die Rebstöcke nicht alleine.

Der Raum und die Terrasse stehen auf dem Barriquekeller des Gutes und bieten aus dieser erhöhten Lage einen sensationellen Ausblick, nicht nur auf den Sonnenuntergang. Unsere Fotografin Regine Hendrich hat nicht nur dieser Ausblick große Freude gemacht, auch das Cuvée aus Zweigelt, Merlot und Syrah Edles Tal hat sie an diesem Nachmittag nicht losgelassen.

Christian Flandorfer war am Weingut Franz & Christine Netzl beim Verkosten der roten Cuveeweine, als wir ihn zum Weinreporter Interview baten. „Der Cabernet Sauvignon Aubühel 2007 ist nicht mein totaler Freund, aber er ist ausgewogen und weist einen sehr runden Geschmack auf. Am besten hat mir aber der Wein Edles Tal (ZW/ME/SY) 2007 geschmeckt. Aufgrund des Bouquets hätte ich ihn mir viel schwerer erwartet und war angenehm überrascht, wie fruchtig und süffig der Wein am Gaumen war“, beurteilte Flandorfer.

Das Thema Jagd ist im Verkostungsraum des Weingutes Pitnauer allgegenwärtig, hier treffen wir wieder Herbert Stava, von dem wir auch schon bei vorangegangenen Stationen einige Kost-Tipps erhalten durften, bei der Jagd nach Besonderheiten. Auch hier im Gut Pitnauer erklärte uns Dipl. Ing. Günter Mahrer seine Einstellung zu den Promiweingütern der Region. „Die führenden Weingüter müssen sich die Lorbeeren jedes Jahr neu verdienen.

Interessant finde ich den Quo Vadis Merlot 2008. Es gibt keine eindeutige Merlotlinie in Göttlesbrunn. Dieser ist halt noch ein wenig grün – also jung. Es ist also unfair, ihn mit dem 2006er zu vergleichen. Der 2008er braucht noch Zeit, bis er noch mehr kann. Noch kann er mich nicht ganz überzeugen. Andererseits ist bei Pitnauer ziemlich klar, dass er Potential haben wird. Ich werde diesen Wein sicherlich nochmals beim Leopoldigang verkosten“, so Mahrer.

Beim Weingut Taferner ist der Verkostungsraum für die heutige Veranstaltung viel zu klein, wir dürfen ihn dennoch ansehen und einen Blick auf das Barrique Lager bekommen. Eine lange Tafel erzählt von vergangenen würdevollen Verkostungsbesprechungen und lädt zu neuen Treffen ein. Ein paar Stufen weiter unten ergatterten wir ein Weinreporter Interview mit

Christian Blauensteiner. „Der Rubin Carnuntum (ZW) 2008 hat sehr viel Potential und ist ziemlich kräftig. Es ist hier gar nicht so einfach, die Rotweine zu beurteilen, da sie ein wenig zu kalt zur Probe gebracht werden“, bemängelte Blauensteiner. „Sehr gut finde ich den Monument (ZW/ST.L/ME) 2008. Er hat einen schönen Barriqueanteil und ein gutes Potential für später. Kein Wein zum Soforttrinken“, ergänzte Blauensteiner.

 Weiß oben – rot unten, Gerhard Markowitsch steht hinter seinem Verkostungstisch mit Blick und Überblick auf seinen Betrieb. Enorm auch hier der Zuspruch. Wir, schon müde vom Erlebtem, treffen hier auf eine Weinexpertin und erwischten sie beim Verkosten am Weingut Gerhard Markowitsch.

Mag. Sabine Bauer-Wolf war so nett und beurteilte für den Weinreporter ihre privaten Sieger vom Weingut Gerhard Markowitsch. „Der Rubin Carnuntum 2008 hat mit 9,50 Euro ein exzellentes Preis/Leistungs-Verhältnis. Am allerbesten hat allerdings der Redmont (ZW/CS/SY/ME/BF) 2007 meine Erwartungen erfüllt. Er ist dicht und füllig, weist eine schokoladig-würzige Note auf und hat die Tannine bereits sehr gut eingebunden. Mit seiner sehr schön präsenten Frucht hat dieser Wein ganz leicht 4-5 Jahre Potential“, so Bauer-Wolf.

Unser Besuch beim Weingut Grassl war dann nur mehr privater Natur, und für die Nachverkostung sind so manche Flaschen von uns mitgenommen worden.

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